Studie: Frauen an der Spitze holen Unternehmen aus der Krise

Studie: Frauen an der Spitze holen Unternehmen aus der Krise

Frauen an der Spitze bekommen in Deutschland noch immer selten eine Chance – außer, es wird brenzlig. Wenn Unternehmen in der Krise stecken, zeigt sich eines von zwei Mustern: Entweder greifen sie reflexartig nach Bewährtem, der vermeintlich starken männlichen Führung. Oder sie holen eine Frau an die Spitze – häufig als eine Art letzten Ausweg, weil die passenden Männer abgesagt haben. Dieses Phänomen ist bekannt als „Gläserne Klippe“. Scheitert die weibliche Führung, können Skeptiker sich auf der Bestätigung ausruhen: Frauen haben das mit den Spitzenpositionen eben nicht drauf.

Studie der Boston Consulting Group und TU München: Mit mindestens einer Frau im Vorstand steigen Gewinne stärker

Überraschenderweise titelte der SPIEGEL allerdings kürzlich: „Frauen führen Unternehmen erfolgreicher aus Krisen“ und bezog sich dabei auf eine dem Magazin vorab vorliegende Studie der Boston Consulting Group (BCG) und der TU München.

Diese ergab: Gerade in stürmischen Zeiten können Frauen den entscheidenden Unterschied machen. Analysiert wurden deutsche Unternehmen in Restrukturierung, also in Situationen, in denen Personal abgebaut und Umsatzkosten neu strukturiert werden mussten.

Zwei Jahre nach Beginn der Krise schreiben Firmen mit mindestens einer Frau im Vorstand deutlich bessere Gewinne als rein männlich geführte Teams. Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand steigern ihre EBITDA-Marge nach zwei Jahren merklich stärker als rein männlich geführte Unternehmen. Der Grund? Diverse Teams bringen mehr Perspektiven, stellen kritische Fragen und treffen am Ende tragfähigere Entscheidungen, auch wenn diese mehr Fingerspitzengefühl erfordern und manchmal etwas länger dauern.

BCG-Expertin: Frauen an der Spitze agieren ruhig und lösungsorientiert

BCG-Beraterin Nicole Voigt beobachtet außerdem, dass Frauen Restrukturierungen sehr strukturiert, ruhig und lösungsorientiert angehen: ohne Drama, aber mit klarer Wirkung. Zwar ist die Datengrundlage der Studie nicht groß genug, um repräsentativ zu sein, es zeigt sich aber eine deutliche Tendenz, die laut BCG-Expert:innen auch durch die Praxis immer wieder bestätigt wird.

Und dennoch: In Deutschland stagniert der Frauenanteil in Vorständen bei 21 Prozent, in Aufsichtsräten bei 37 Prozent. Besonders in der Industrie ist das Thema Vielfalt oft noch weit unten auf der Agenda. Nach einigen positiven Entwicklungen sind Bemühungen um mehr Diversität aktuell in vielen Unternehmen aktuell wieder rückläufig. Umso mehr schätzen wir die Unternehmen, die das Potenzial und den Mehrwert weiblicher Führung anerkennen. Klar ist: Zukunftsorientierte Arbeitgeber machen Chancengleichheit sowie die Förderung weiblicher Karrieren zu einen festen Baustein ihrer Kultur.

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