Vereinbarkeit von Karriere und Schlafmangel? Experten-Tipps für erholsamen Babyschlaf von Schlafcoachin Susanne Scholz

Foto Susanne Scholz Schlafcoachin für Babies und Kleinkinder

Vereinbarkeit & Babyschlaf? Das stellt für viele berufstätige Mütter eine Herausforderung da. Denn Kinder spielen oft eine entscheidende Rolle beim sogenannten Gender-Sleep-Gap, da Mütter häufig die Hauptverantwortung für die nächtliche Betreuung übernehmen. In diesem Beitrag teilt Schlafcoachin Susanne Scholz ihre wertvollen Tipps für erholsamen Babyschlaf, damit du mit mehr Energie und Gelassenheit deinen Arbeitsalltag bewältigen kannst.

Stichwort Gender-Sleep-Gap: „Schlaf doch einfach, wenn dein Baby schläft“ – nicht nur für berufstätige Eltern ist das eher ein unrealistischer Ratschlag. Können Eltern wirklich etwas tun, wenn ihr Baby oder Kleinkind ein „schlechter Schläfer“ ist?

Das stimmt, dieser wohlgemeinte ‚Ratschlag‘ ist nicht immer praktikabel, besonders wenn das Kind ausschließlich in der Trage schläft und nicht abgelegt werden kann. In solchen Momenten ist es wichtig, den Druck zu reduzieren und Prioritäten zu setzen. Überlege, wie du es dir ermöglichen kannst, zwischendurch auch mal eine Pause zu machen! Wer könnte dich unterstützen und entlasten? Welche Lösungen könnten mehr Zeit für dich oder deine Arbeit schaffen? Und natürlich kann es helfen, an der Schlafsituation zu arbeiten. Es gibt meiner Meinung nach keine ’schlechten‘ Schläfer, sondern einfach Kinder, die länger Unterstützung und Nähe benötigen. Dennoch kann der Schlaf positiv beeinflusst werden, denn neben der Persönlichkeit des Kindes und seiner kognitiven Reife spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.

Natürlich wird der Gender-Sleep-Gap auch durch die traditionellen Rollenaufteilungen begünstigt. Es müssen weiterhin strukturelle, betriebliche und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die dazu beitragen, das Ungleichgewicht aufzulösen. Ein erster wichtiger Schritt im Familiensystem für eine Umverteilung von Care- und Hausarbeit könnte sein, sich gemeinsam alle unsichtbaren und sichtbaren Aufgaben bewusst zu machen und ein offenes Gespräch über die Aufgabenverteilung und Belastung zu führen.

Gibt es Einschlafhilfen, die deiner Erfahrung nach gut funktionieren?

Keine Angst vor Einschlafhilfen! Grundsätzlich sind alle Einschlafhilfen erst einmal positiv, denn alles, was dazu beiträgt, dass sich dein Kind sicher und geborgen fühlt, wird ihm helfen, zu entspannen und in Folge dessen schneller einzuschlafen. Jedes Kind ist ganz individuell und hat seine eigenen Bedürfnisse. Die Qualität der Einschlafhilfe sollte eher danach bemessen werden, wie praktikabel sie für die Familie ist. Eine Einschlafhilfe mag zu einem bestimmten Zeitpunkt gut funktioniert haben, jedoch kann sie zu einem späteren Zeitpunkt eine Belastung darstellen. Dann darf etwas verändert werden. 😊 Wichtig ist nur darauf zu achten, dass weiterhin alle (Grund-)Bedürfnisse deines Kindes erfüllt werden und du die Veränderung so gestaltest, dass du dein Kind nicht überforderst.

Müssen Babys das Durchschlafen erst lernen oder gibt es deiner Erfahrung nach Tipps, wie man die nächtlichen Wachphasen reduzieren kann?

Eine Zahl die dir hoffentlich sehr viel Druck nehmen wird: 86% der Babys wachen im ersten Lebensjahr regelmäßig nachts auf! Das ist normal und auch total sinnvoll, zum Beispiel um Nahrung aufzunehmen. Der Zeitpunkt, an dem ein Kind altersgerecht ‚durchschläft‘ bzw. mehrere Schlafzyklen miteinander verbinden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der kognitiven Reife und der Persönlichkeit des Kindes. Zudem können Faktoren wie Schlafdruck, erholsamer Tagschlaf, Routinen und der richtige Zeitpunkt das ‚Durchschlafen‘ begünstigen. Übrigens: Faktisch schlafen wir Erwachsene auch nicht durch.

Berufstätige Eltern haben häufig keinen Einfluss auf Rituale, Uhrzeit und Länge des Mittagsschlafs, da das Kind in der Betreuung ist. Welche Tipps hast du für sie, um eine stressfreie Schlafenszeitroutine zu gestalten?

Die Situation kenne ich nur zu gut! Aber was kann helfen? Versuche anzunehmen, dass dein Kind abends später ins Bett geht. Ich verstehe, wie herausfordernd das sein kann, besonders wenn du normalerweise noch arbeitest, wenn dein Kind im Bett ist. Aber es ist einfach so, dass es dein Kind erst schaffen kann einzuschlafen und gut durch die Nacht zu kommen, wenn es müde genug und der Schlafdruck groß genug ist. Deshalb empfehle ich, dein Kind lieber etwas später schlafen zu lassen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, anstatt zu versuchen, es frühzeitig zum Schlafen zu bringen und dann stundenlang zu begleiten. Außerdem ist es hilfreich, das Zimmer abzudunkeln, besonders wenn es abends immer länger hell bleibt.  Darüber hinaus schlage ich vor, mit der Betreuungseinrichtung ins Gespräch zu gehen. Vielleicht ist es ja möglich eine Ruhepause statt eines Mittagsschlafs anzubieten oder das Kind mittags früher zu wecken?

Ein häufiger Stressfaktor beim Baby-Schlaf sind die Übergangsphasen: Ohne Mittagsschlaf ist der Tag zu lange und das abendliche Übermüdungs-Drama startet. Mit Mittagsschlaf sind die Kinder dann aber abends nicht müde und tanzen bis 10 Uhr auf den Tischen. Wie kann man diese Phasen gestalten?

Übergangsphasen können sehr herausfordernd sein! Vielleicht hilft dir das Bewusstsein, dass Übergangsphasen wichtig für die gesunde Entwicklung deines Kindes sind. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich dein Kind weiterentwickelt! Was hilft, um mit der Situation umzugehen? Flexibel zu bleiben. Wenn dein Kind keinen Mittagsschlaf annimmt, dann bringe es abends früher ins Bett. Solange du darauf Einfluss hast (z.B. am Wochenende) kannst du auch den Mittagsschlaf kürzen oder eine Ruhepause anbieten. Für den Übergang kann auch ein Powernap helfen.

Baby Schlaf als Herausforderung für die Vereinbarkeit
Was gibt es friedlicheres als schlafende Kinder? Der Weg dorthin ist aber häufig schwer – was sich gerade auf Mütter häufig auswirkt, wie aktuelle Studien zum Gender-Sleep-Gap zeigen.

Viele Eltern kennen es: Auf dem Heimweg von der Kita schläft das Kleinkind ein – was in einen abendlichen Kampf uns Einschlafen resultiert. Was können Eltern in so einem Fall tun, um den abendlichen Stress zu reduzieren?

Falls möglich: wecke dein Kind sanft vor der Tiefschlafphase auf. Das bedeutet, nach etwa 15-19 Minuten. Außerdem empfehle ich, eine Abendroutine einzuführen, die deinem Kind hilft, herunterzufahren und zu entspannen. Auch wichtig: blaues Licht vermeiden, Reize minimieren, Quality Time miteinander verbringen.

Was ist deiner Meinung nach noch ein normales Schlafverhältnis und ab wann sollte man Beispielsweise einen Schlafcoach wie dich konsultieren?

Das ist super schwierig, pauschal zu beantworten, da jedes Kind einzigartig ist und unterschiedliche Schlafbedürfnisse hat. Grundsätzlich gilt: Wenn eine Situation als belastend empfunden wird, darf etwas verändert werden. Häufig wenden sich Eltern an mich, aus folgenden Gründen:

  • Ihr Kind wacht nachts überdurchschnittlich oft auf
  • Ihr Kind hat über einen längeren Zeitraum hinweg nächtliche Wachphasen
  • Ihr Kind wacht morgen sehr früh auf
  • Ihr Kind weint beim Einschlafen
  • Die Einschlafbegleitung dauert regelmäßig eine Stunde oder länger
  • Es gibt eine Einschlafhilfe, die für die Familie zu einer Belastung geworden ist

Susanne Scholz ist Autorin des Anti-Stress-Tagebuches Conscious You, Mindfulness Coachin & Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder

Susanne Scholz studierte Medienwissenschaften und Sportkommunikation und arbeitete einige Jahre in der Medienbranche. Nach einer Auszeit aufgrund eines Burnouts ließ sie sich zur systemischen Coachin ausbilden, machte sich selbstständig und arbeitet heute als Mindfulness Coachin und Autorin. Susanne ist zudem als Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder tätig und unterstützt Familien auf ihrem Weg zu erholsameren Nächten. Grundlage ihrer Arbeit ist ein sanfter und bedürfnisorientierter Ansatz. Neben ihren Ausbildungen zur systemischen Coachin und Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder, bringt sie ihre eigene Erfahrung als Mutter eines gefühlsstarken Kindes mit ein. Sie hat selbst erlebt, wie herausfordernd und zermürbend schlaflose Nächte sein können. Als Gründerin von we.like.to.sleep ist es ihre Mission das Leben anderer Familien positiv zu verändern und dazu beizutragen, wieder mehr Leichtigkeit in den Familienalltag zu bringen.

Weitere Infos zu Susanne Scholz findest du <<hier>>.

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